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UNESCO-Welterbe Fagus-WerkHannoversche Straße 58
31061 Alfeld
Deutschland

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Vortragsreihe "FAGUS-WERK aktuell"

Carl Benscheidt auf der Suche nach der idealen Fabrik

Ort:
UNESCO-Welterbe Fagus-Werk
Tagungszentrum
Hannoversche Straße 58
31061 Alfeld (Leine)
Datum:

15.03.2019

Uhrzeit:

18:00 Uhr

Referent:

Dr. Arne Herbote

Veranstalter:

Verein der Freunde und Förderer des UNESCO-Weltkulturerbes Fagus-Werk e.V.

Ticketpreise:

0,00 €

Jetzt online buchen:

    Beschreibung

    Als der Fabrikant Carl Benscheidt (1858 – 1947) gemeinsam mit amerikanischen Kapitalgebern 1911 in der preußisch-hannoverschen Kleinstadt Alfeld mit dem Fagus-Werk jene Fabrik gründete, die Gropius’ Ruf als modernen Architekten begründete, tat er dies ausgestattet mit langjähriger Erfahrung als Schuhleistenproduzent und Bauherr. Der 53-jährige hatte in der Branche Karriere gemacht, war vom mittellosen Bauernsohn zum international operierenden Unternehmer aufgestiegen und dabei als Mitarbeiter, schließlich Geschäftsführer und Teilhaber der Alfelder Schuhleistenfabriken C. Behrens, die unter seiner Leitung in ihrem Marktsegment eine international führende Position erlangt hatte, zu Wohlstand gelangt. Mehrfach in seiner beruflichen Laufbahn hatte er sich unter sich wandelnden Rahmenbedingungen mit Anforderungen an eine ideale Fabrikanlage befasst. Im Fagus-Werk manifestierte sich erneut sein Streben nach Optimierung des industriellen Massenproduktes Schuh mittels rationeller Serienproduktion hochwertiger fußgerechter Schuhleisten.

    Im Auftrag Carl Benscheidts entstand zwischen 1896 und 1947 in Alfeld ein umfangreiches und weite Teile der Stadt prägendes Ensemble aus Produktionsstätten, Wohnungsbau und Sied­lungs­bau. Mit verschiedenen Architekten, darunter Eduard Werner, Carl Mühlenpfordt, Walter Gropius und Ernst Neufert, entwickelte der Bauherr die jeweiligen Projekte zur Orga­nisation und Gestaltung der industriellen Arbeitswelt und des Wohnens. Sein Handeln war dabei sowohl von Konzepten der Lebens-, Sozial- und Bekleidungsreform als auch von ökonomischen Rationalisierungs­bestrebungen geprägt, wodurch sich eine spezifische Form von Modernität dieses Industriel­len entwickelte.

    Neben den Bauten der Produktion, die immer wieder den sich wandelnden Anforderungen anzupas­sen waren, machte der patriarchalische Unternehmer den genossenschaftlich organisierten Bau von gartenvorstädtischen Siedlungen für die Industrie­arbeiterschaft zum integralen Be­standteil seiner Fabriken. Von Carl Benscheidts Wirken gingen im späten Kaiserreich und in der Weimarer Republik nicht zuletzt durch die geplanten und realisierten Bauwerke nachhal­tige Reform- und Modernisierungsimpulse bis weit in Politik und Gesellschaft der Stadt Alfeld hinein aus.